Kategorie: Buchtipp

Ein gutes Buch zum Thema Personal Branding

Ein gutes Buch Tijen Onaran Nur wer sichtbar ist findet auch statt

Mein Buchtipp: „Nur wer sichtbar ist, findet auch statt von Tijen Onaran

Meine Ausgabe von Tijen Onarans Buch „Nur wer sichtbar ist, findet auch statt“ hat noch nicht den Spiegel-Bestseller-Sticker, wie ihn die neuesten Exemplare schmücken. Aber ich kann hundertprozentig nachvollziehen, weshalb sich das Buch verkauft wie geschnitten Brot.

Die Arbeitswelt befindet sich in einem rasanten Wandel und wir sind ständig damit konfrontiert Schritt zu halten. Ich finde es sinnvoll zu überlegen, wie wir Arbeit gestalten können. Daher empfehle ich auch gerne Business-Bücher. Zu diesem Thema werde ich einmal einen eigenen Beitrag schreiben. Hier nun erst zunächst meine Buchempfehlung in Sachen Selbstwirksamkeit im Job.

Warum Positionierung gut ist

Positioniere Dich selbst aktiv, bevor es andere für Dich tun. Dir wird ohnehin von anderen ein Stempel aufgedrückt – so würde ich das Leitmotiv des Buches zusammenfassen. Ihr merkt es schon, es geht um Personal Branding.

Das Buch regt an, darüber nachzudenken, wie wir unser Image täglich selbst bestimmen, und zu entscheiden, wie wir von anderen gesehen werden möchten. Tijen Onaran führt das Konzept und die Bedeutung von Personal Branding anhand ihrer persönlichen Geschichte ein und bietet anschließend eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, um sich selbst eine Personenmarke aufzubauen. Sie gibt praktische Tipps wie die Positionierung online und offline stimmig gelingen kann.

An dieser Frau bin ich im letzten Jahr nicht vorbeigekommen. Die Mission ihres Unternehmens Global Digital Women und ihre kompetenten und sympathischen Interviews als Moderatorin und als Podcast-Gästin haben mich neugierig gemacht. Ihr neues Sachbuch musste ich unbedingt lesen. Onaran ist Unternehmerin, Autorin und Speakerin. Sie ist in vielen verschiedenen Rollen unterwegs, um auf ihr Thema aufmerksam zu machen. Wie sie es selbst gerne beschreibt, ist es ihre Mission „Frauen sichtbarer und die Wirtschaft diverser und digitaler zu machen“. Ich gebe es zu, ich bin Fan!

Tijen Onaran ermutigt besonders Frauen sich zu zeigen und ihre Themen zu kommunizieren. Personal Branding bietet Chancen, z.B. dass der Gender Gap eines Tages verschwindet. Wir brauchen diverse Teams und damit dies gelingt, ist eine Vielfalt an Botschafter:innen in eigener Sache gefragt. Wir brauchen Working-Mums, die sich zeigen und darüber sprechen, was sie bewegt, erfolgreiche Vorbilder für flexible Arbeitsmodelle, mehr Frauen in Führungspositionen, Führungskräfte in Teilzeit und vieles mehr. Wenn wir mit unseren Themen sichtbar sind, können wir uns auch gegenseitig unterstützen.

Das Konzept einer Personenmarke kann aufgrund des Namens abschrecken. Schließlich klingt es so, als würde hier ein Mensch wie ein Produkt behandelt werden. Der Name ist in der Tat etwas unglücklich gewählt. Aber in dem Konzept steckt für mich eine große Stärke und Selbstwirksamkeit. Nachdem wir uns gefragt haben, was uns ausmacht, entscheiden wir, welche Eigenschaften und Werte wir nach außen präsentieren möchten. Wofür möchten wir stehen? Das ist doch authentisch, oder?

Hier meine drei wichtigsten Erkenntnisse aus der Lektüre:

  1. Personal Branding bedeutet Selbstverantwortung und Reflektion. Schreibe Deine Geschichte selbst und erzähle sie (immer wieder). Hol Dir, was Du haben willst.
  2. Ein Social Me braucht ein gutes Netzwerk und eine Community.
  3. Wenn es mal anders läuft als gedacht, habe den Mut Dich auch eventuell neu zu erfinden.

Mein Fazit: Ein Business-Buch, das wir heute brauchen!


Diese Ausgabe habe ich gelesen:
Tijen Onaran: Nur wer sichtbar ist, findet auch statt. Werde deine eigene Marke und hol dir den Erfolg, den du verdienst, (Erstausgabe 2020), 2. Aufl., Wilhelm Goldmann Verlag, München 2020.

Ein gutes Buch: „Unorthodox“ von Deborah Feldman

Vielleicht kennt ihr bereits die gleichnamige Mini-Serie, die 2020 bei Netflix erschien. Es handelt sich dabei um eine Adaption des autobiographischen Romans „Unorthodox“ von Deborah Feldman. Die Serie ist vom Buch nur inspiriert. Beide stehen eigenständig für sich selbst. Als ich letztes Jahr den Trailer sah, hatte ich vom Buch bereits gehört und die Geschichte machte mich neugierig. Mir gefiel die Bildsprache des Trailers und ich erlag dem Reiz einer unbekannten Kultur. Ich wollte mehr wissen. Die Verfilmung war beeindruckend, daher habe ich mich nun an die Lektüre der Buchvorlage gemacht. Ein starkes Buch, eine starke Verfilmung. Mir hat beides viel gegeben.

„Unorthodox“ wird als Enthüllungsbuch bezeichnet, da die Autorin ihre Erlebnisse in einer geschlossenen, religiösen Gemeinschaft mit der Öffentlichkeit teilt und sie kritisch hinterfragt. Ich habe das Buch vor allem als die ergreifende Autobiographie einer Frau meiner Generation gelesen. In entwicklungspsychologischer Hinsicht gelingt die Identifikation mit der Erzählerin sehr gut, doch findet diese Entwicklung in einem repressiven Umfeld statt. Ich war immer wieder darüber schockiert, welche Erfahrungen Feldman machte und wie unfrei sie erzogen wurde. Dieses Buch hat mir meine Privilegien wieder einmal vor Augen geführt.

Im Kontrast zur bitteren Realität der Handlung steht die innere Stärke und Haltung der Autorin. Dies macht die Geschichte von Deborah Feldman für mich so faszinierend. Sie berichtet über ihr Leben in einer ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde der Satmarer in New York. Hineingeboren in eine chassidische Familie bestimmen religiöse Regeln ihr Leben, sie fühlt sich eingeengt und nicht zugehörig. Für Frauen lässt ihr Umfeld nur den Lebensentwurf der devoten Ehefrau und Mutter zu und innerhalb dieser Rolle gibt es keinen Raum für Individualität oder Selbstverwirklichung. Im Laufe der Jahre entfernt sich Feldman langsam von den strengen Werten und Normen. Mit Mitte zwanzig beschließt sie in ein unabhängiges Leben außerhalb ihrer Glaubensgemeinschaft aufzubrechen. Von dieser Entwicklung erzählt Feldman eindrucksvoll in ihrem Roman.

Die traditionelle Welt, in der die New Yorkerin aufwächst, scheint fast zeitlos zu sein. Obwohl Rauchwolken den Himmel verdunkeln, erreicht sie am 11. September 2001 die Nachricht von den Terroranschlägen wie aus einer anderen Welt. Dieses Ereignis und das gelegentliche Aufblitzen von Popkultur sind zeitliche Markierungen aus weiter Ferne. Bücher, Musik und Mode stehen für eine fremde Welt, nach der sich die junge Frau sehnt.

Bücher haben eine wichtige Bedeutung für Feldman. Die Mehrheit an Literatur ist ihr verboten, doch sie liest trotzdem. Bücher sind ständig ein Thema. Mal werden sie heimlich gelesen, mal schmerzlich vermisst. Sie sind das Tor zu einer anderen Welt, vermitteln neue Ideen und ermöglichten es ihr eine weitere Sprache zu lernen. Beeindruckend ist auch ihr Mut, mit dem sie Chancen ergreift. Mit jedem Buch und jeder Begegnung emanzipiert sie sich und der Glaube an ihre eigene Selbstwirksamkeit wächst. Bildung ist der Schlüssel zu ihrem neuen Leben.

Die Geschichte ist psychologisch klug erzählt. Ich konnte mich in die Protagonistin sehr gut einfühlen und auch die weiteren Personen sind empathisch beschrieben. Zwar teilt die Autorin nicht jede dieser Meinungen oder heißt deren Verhalten gut, doch kann sie andere Perspektiven und Lebensentwürfe plausibel vermitteln. Dabei zeigt sie das Dilemma auf, in das Menschen geraten können.

Die feinfühlige Erzählung von Feldman und die Einblicke, die sie in die Lebensart der chassidischen Glaubensgemeinschaft mit ihren Regeln und Traditionen gewährt, hat das Buch für mich zum echten Pageturner gemacht. Auch wenn Feldmans Jugend, mit ihren vollkommen anderen Erfahrungen, auf mich fremd wirkt und traurig macht, erzählt sie zugleich eine Geschichte über Emanzipation und die Suche nach einem authentischen Leben – und das ist uns wohl allen sehr vertraut.

Mein Fazit: Eine bewegende Geschichte. Unbedingt lesen!


Ich habe diese Ausgabe gelesen:
Deborah Feldman: Unorthodox, (engl. Erstausgabe 2012), 6. dt. Aufl., Secession Verlag für Literatur, Zürich 2016.